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Meine Erfahrung der Veränderung als Chance.

Zu Beginn der Zeit in Quarantäne fühlte ich mich überraschend gut. Ich war in den Semesterferien auf Reise und bin im Grunde genommen sehr erholt in diese Phase unserer Gesellschaft gestartet. 

Gefühlt war ich zudem gestärkt, da ich in Thailand, kurz vor der Rückkehr nach Österreich, in einem Buddhistischen Tempel für ein paar Tage Vipassana Meditieren konnte. Es hat mir sehr gut getan und viel Ruhe und Ausgleich gebracht, den viele meiner Freunde zu Beginn der Beschränkungen nicht hatten.

Teil 1: Die Ausgangssituation, meine Gedanken und Gefühle

Für mich ist diese Zeit sehr aufregend, denn mit dem Jahreswechsel war klar: dieses Jahr wird für mein Leben sehr einschneidend sein. Ich habe mich mit der Ausbildung zur Mentaltrainerin beschlossen meinen alten Job zu kündigen und neu zu starten. Selbstständig zu werden bedeutet für viele, dass man „selbst und ständig“ arbeitet. Ich sehe das mittlerweile anderes. Selbständig zu sein ist in meinen Augen eine der höchsten Form der Persönlichkeitsentwicklung. Denn wer sich nicht mit sich selbst auseinandersetzt wird früher oder später über eigene Füße stolpern. Wer daher erfolgreich eigenständig arbeiten und mit diesem Job sich auch verwirklichen möchte, hat zuvor sehr viel Arbeit an sich selbst zu tun. 

Dass mein Vorhaben mich zu Verselbständigen daher in die Zeit von COVID-19 fällt hat natürlich besondere Schwierigkeiten. Ich sehe diese aber nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Chance. Eine Chance, mich voll und ganz auf mich und meinen Weg einzulassen. Klingt ganz cool, ist aber nicht einfach.

Ich persönlich tendiere nämlich dazu mir zu viel vorzunehmen, dieses dann nicht zu schaffen und am Ende enttäuscht von mir selbst zu sein. Ich erreiche meine Erwartungen nicht und bin stets unzufrieden. „Nicht genug zu sein“ ist ein negativer Glaubenssatz, der mich schon mein Leben lang begleitet. Doch auch dies bereits erkannt zu haben und zu wissen, bedeutet noch lange nicht, dass das „Problem“ dahinter gleich verschwindet. 

Als uns die Übung für die Heimarbeit erreichte war für mich klar: ich will alles machen. Täglich mehr als 10min meditieren und einmal pro Woche eine lange Meditation Einheit angehen. 

Teil 2: Der Verlauf der Übung, von der Enge in die Freiheit

Zu Beginn von Woche eins bin ich zuversichtlich, täglich eine kurze Einheit von Achtsamkeitsmeditation – das ging, doch ich merke, dass ich nicht ganz bei mir bin. Meine Arbeit lenkt mich ab. Die enge Wohnung lenkt mich ab. Ich bin ungeduldig und fange an zu zweifeln. „Vielleicht lasse ich das mit der täglichen Übung doch und mache mal eine Lange“ sage ich mir und versuche mir selbst den Druck rauszunehmen. Ich arbeite weiter, vernetzte mich täglich mit Menschen und Freunden und merke nicht wie die Zeit verfliegt. Die enge Wohnung macht mir zu schaffen. „Wo soll ich hier nur eine Stunde lang Ruhe bekommen“. Ich lebe zusammen mit meinem Partner in einer kleinen Wohnung. Es fällt mir sehr schwer wirklich zur Ruhe zu kommen und mich ganz auf die Übung einzulassen.

Ich stelle mir den Wecker um um halb 6 in der Früh die „dynamic Dim“ Meditation zu probieren. 

Es fiel mir sehr schwer. Ich fand zu dieser Meditation keine geführte Anleitung und tat mir schon sehr schwer technisch die Zeiten einzuteilen, ohne dass ich während der Meditation ständig auf die Uhr schauen zu müssen. Aber auch als ich dann eine passende Uhr hatte, erwischte ich mich dabei wie ich immer wieder auf den Anleitungstext sehen wollte weil ich mir nicht sicher war, ob ich es richtig machte. Bei Schritt zwei der Meditation wurde ich auch mit körperlichen Empfingen überrascht. Mir wurde schlecht und übel. Ich fühlte mich schwach und beklemmt und traute mich nicht mich ganz darauf einzulassen. Immerhin war die Wohnung klein und mein Atem hörte sich so laut an wie gefühlt nie zuvor. Kurzum: ich brach die Übung bei Schritt drei ab, setzte aber meine Meditation in Stille auf meine Art weiter fort.

Auch wenn ich abgebrochen hatte, fühlte ich mich an dem Tag etwas freier. 

Ich nehme mir vor mich nochmal an der Übung zu probieren, doch ich traute mich bis jetzt nicht nochmal.

Daher wechselte ich wieder dazu täglich eine kurze Einheit zu machen. Dieses mal fühle ich mich dabei freier. Ich wechsle dabei ab zwischen eigenständigem Meditieren und geführten Einheiten, die ich online finde. Ab und zu werden aus den vorgenommenen 10min auch längere Einheiten.

Die dreißig Tage seit Aussenden der „Meditation Hausübung“ sind vorbei, ich habe es leider nicht so geschafft wie aufgetragen und vorgenommen. Ich fühle mich nicht gut dabei.

Teil 3: Rückblick und Ausblick 

Regelmäßig kurze Einheiten zu Meditieren tut mir sehr gut. Das weiß ich und merkte dies auch bei der Übung wieder. Ich bin grundsätzlich sehr offen für neue Übungen, doch ich merkte, dass es für die Phase jetzt zu viel war. Ich wollte es unbedingt, doch es ging nicht. Zu viele neue Eindrücke hatte ich zu verarbeiten: das Angehen meiner Selbständigkeit, hohe Erwartungen an mich selbst, Besondere Auflagen an das tägliche Leben, Nachrichten die mein Mark erschüttern, Sorge kranke und gefährdete Freunde und Familie, Sorge um die Mutter die nicht zurück nach Deutschland kommt. Sorge um den Vater, der weiterhin arbeitet und pendelt. Sorge um den Bruder, der ohne Einkommen komplett alleine in seiner Wohnung ist. 

Grundsätzlich geht es mir aber sehr gut. Natürlich gaben mir all diese Eindrücke viel zu schaffen, doch dafür, dass es so viel war, konnte ich gut damit umgehen. 

Auch, wenn ich es nicht geschafft habe, täglich 15min mich hinzusetzen und achtsam meiner Vipassana Praxis nachzugehen oder mehrmals innerhalb dieser Tage eine längere Meditation anzugehen. Rückblickend merke ich, dass ich, ohne es zu merken, viel Achtsamkeit in meinen Alltag und mein Leben eingebaut habe: den Balkon bepflanzen, die Sonne genießen, Blumen betrachten, den Wind auf der Haut spüren, zu Mittag in Ruhe kochen, meine Skizzenübungen den vorherigen Tag zu Zeichnen, den Tee am Abend, ganz tief Atme, die Haare zu kämmen. Ich mache zwar nicht all das jeden Tag, doch irgendwas davon mache ich immer. Und dann meditiere ich tatsächlich dazu fast täglich etwa 10min. 

Grundsätzlich geht es mir mit regelmäßiger Praxis besser. Ich bin freier, mein Kopf und mein Körper nicht ganz so versteift. Ich bin konzentrationsfähiger und lasse mich nicht so leicht „aus der Bahn“ werfen. Ich weiß, dass ich eine besonders Emotionale Person bin und meine Gefühle und Gedanken mehr Macht über mich haben, als es manchmal gesund ist. Daher ist es für mich umso wichtiger, Achtsamkeit und Vipassana Meditation in meinen Alltag zu integrieren. 

Ich möchte auf jedenfalls damit weiter machen. Noch besser wäre es vermutlich, die Meditationspraxis auf eine feste Uhrzeit zu binden. Ich denke wirklich, dass Meditation eine Art der Mentalen Hygiene ist, die mindestens genauso wichtig ist, wie das tägliche Zähneputzen.